Es ist fast 10 Jahre her und ich erinnere mich immer noch an diesen Arbeitstag:
Ich kam an diesem Morgen müde ins Büro. Nicht, weil ich schlecht geschlafen hatte, sondern weil meine Kollegin und ich am Abend zuvor lange geblieben waren. Wir hatten mit viel Herzblut an einer Präsentation für einen neuen Performance-Prozess gearbeitet, an einer Idee, an etwas, von dem wir wirklich überzeugt waren.
Um 8:30 Uhr saß ich im Teammeeting. Meine Erwartung war klar: Wir würden den Prozess gemeinsam besprechen und ihn anschließend gemeinsam dem Management vorstellen. Doch noch bevor das Gespräch richtig begann, war alles gesagt. Meine damalige Führungskraft hatte um 8 Uhr einen Call mit dem Management und diese Zeit genutzt, um unsere Arbeit zu präsentieren, als ihre eigene. Kein Name, kein Hinweis, kein „wir“.
Meine Kollegin und ich saßen in unserem Teammeeting und uns war klar: Unser Beitrag war unsichtbar geblieben und es ging nicht um das Team, sondern um die eigene Positionierung unserer Führungskraft. Das war leider nicht das erste Mal und ich spürte in dem Moment, wie sich etwas in mir zurückzog.
Nicht der Ehrgeiz, nicht die Professionalität, sondern die Freude. Ich habe in den kommenden Wochen weiter geliefert und gleichzeitig innerlich angefangen, mich zu verabschieden.
Meine Führungskraft war fachlich exzellent, aber menschlich kaum greifbar.
Später stand ich selbst in Führungsverantwortung.
Und ich wusste sehr genau: So möchte ich nicht führen.
Heute, als Coach und Trainerin, begegnet mir die folgende Aussage immer wieder: „Ich will anders führen als mein alter Chef, aber ich weiß nicht wie.“
Gute Führung bedeutet nicht Macht, sondern Beziehung 💙
Daher ist mein Rat an Führungskräfte:
➡️ höre zu, bevor du entscheidest
➡️ baue Vertrauen auf statt Kontrolle zu perfektionieren
➡️ sei klar und menschlich
Wenn ich an meine alte Chefin denke: Klar wäre gewesen, das Team über das Meeting zu unterrichten. Menschlich wäre es gewesen, die Leistung des Teams sichtbar zu machen und den Erfolg gemeinsam zu feiern.








